“Schluckimpfung” nicht als Weinname zugelassen


“Schluckimpfung” nicht als Weinname zugelassen: Marketing-Gimmicks müssen trotzdem gesetzeskonform sein

 

Der Wiener Wein mit dem Namen “Schluckimpfung” wurde von der Bundesweininspektion mit der Begründung beschlagnahmt, der Name stelle eine “gesundheitsbezogene Angabe” dar.

 

Bild: Bioweingut Lenikus
Bild: Bioweingut Lenikus

 

Im März 2021 brachte das Wiener Bio-Weingut Lenikus einen Weißwein mit dem Namen “Schluckimpfung” auf den Markt, um „die Moral zu stärken“ und das Jahr 2021 als das Jahr der weltweiten Impfung gegen COVID-19 zu feiern.

 

Anfang April 2021 beschlagnahmte das österreichische Bundeskellereiinspektion (BKI) den Wein “Schluckimpfung”: Laut BKI sei der Weinname vermutlich rechtswidrig, weil er eine “gesundheitsbezogene Angabe” enthält.

 

Eine “gesundheitsbezogene Angabe” ist jede Angabe, die suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck bringt, dass ein Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel (oder einem seiner Bestandteile) und der Gesundheit besteht. Die europäische Rechtsprechung (vgl C-544/10 - Deutsches Weintor) hat klargestellt, dass sich der Ausdruck “gesundheitsbezogene Angabe” nicht nur auf Angaben bezieht, die eine mögliche Verbesserung der Gesundheit infolge des Verzehrs des Lebensmittels suggerieren können, sondern auch auf Angaben, die das Fehlen oder die Verringerung schädlicher gesundheitlicher Auswirkungen im Zusammenhang mit einem solchen Verzehr nahelegen

 

Dies ist insbesondere bei Produkten mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent von Bedeutung: Für diese Getränke sieht die EU-Verordnung Nr. 1924/2006 nämlich vor, dass gesundheitsbezogene Angaben nicht zulässig sind. Das Ziel ist es, gesundheitsbezogene Angaben zu vermeiden, die den Konsum von alkoholischen Getränken fördern und die mit dem übermäßigen Konsum dieser Produkte verbundenen Risiken erhöhen könnten.

 

Die Frage ist nun, ob der Ausdruck “Schluckimpfung” als gesundheitsbezogene Angabe betrachtet wird oder nur als Phantasiename, der keine (möglicherweise negative) Auswirkungen auf die Gesundheit des Verbrauchers impliziert.

 

In der Zwischenzeit hat der Hersteller die Etiketten des Weins bereits auf “SchluckimpfungZENSURIERT” geändert; ein weiterer cleverer Marketing-Gag, der laut BKI akzeptiert wurde.

 

Sicher ist, dass das Ziel des Winzers, den Menschen in dieser Zeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, trotz der kleinen behördlichen Auseinandersetzung gelungen ist.


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